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Mit der Ausstellung „Farbräume“ bringt Beck & Eggeling das malerische Werk Gotthard Graubners (1930–2013), mit Papier- und Leinwandarbeiten aus allen Schaffensjahren des Künstlers, und Keramiken des italienischen Künstlers Fausto Melotti (1901–1986), die vornehmlich in den 1950er Jahren entstanden sind, zusammen.

Im Zentrum von Graubners künstlerischen Schaffens steht die Farbe. Nicht als Bedeutungsträger oder gestaltgebendes Element, sondern als eigentlicher Gegenstand, allein um ihrer selbst Willen. Mit transluzenten Farbschichten, die auf Papier mittels Schwämmen oder Kissen übereinander gelegt wurden, erforschte er die Stofflichkeit und Räumlichkeit der Farbe. Mit seinen „Kissenbildern“ und (ab den frühen 1970er Jahren) „Farbraumkörpern“ öffnete er den Bildraum hin zum realen Raum und schaffte es so, die Farbe in einen Zustand fast schon lebendiger Körperlichkeit zu überführen. Es ist das Geheimnis von Graubners Kunst, dass sie den Betrachter trotz des Fehlens fassbarer Formen nicht in die Unbestimmtheit verliert. In ihrer physischen, fast beseelten Präsenz kann sich der Betrachter seiner eigenen Körperhaftigkeit bewusst werden. „Dank der organischen Verdichtung von Farbe, Raum UND Körper ermöglichen Graubners Bilder eine Synthese aus Selbstversenkung und Selbstvergegenwärtigung, aus Kontemplation und Daseinsgewissheit.“ (Uwe Wieczorek)

Im äußerst vielfältigen Werk von Fausto Melotti, der heute besonders für seinefiligranen Metallskulpturen bekannt ist, kommt Ker...

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Mit der Ausstellung „Farbräume“ bringt Beck & Eggeling das malerische Werk Gotthard Graubners (1930–2013), mit Papier- und Leinwandarbeiten aus allen Schaffensjahren des Künstlers, und Keramiken des italienischen Künstlers Fausto Melotti (1901–1986), die vornehmlich in den 1950er Jahren entstanden sind, zusammen.

Im Zentrum von Graubners künstlerischen Schaffens steht die Farbe. Nicht als Bedeutungsträger oder gestaltgebendes Element, sondern als eigentlicher Gegenstand, allein um ihrer selbst Willen. Mit transluzenten Farbschichten, die auf Papier mittels Schwämmen oder Kissen übereinander gelegt wurden, erforschte er die Stofflichkeit und Räumlichkeit der Farbe. Mit seinen „Kissenbildern“ und (ab den frühen 1970er Jahren) „Farbraumkörpern“ öffnete er den Bildraum hin zum realen Raum und schaffte es so, die Farbe in einen Zustand fast schon lebendiger Körperlichkeit zu überführen. Es ist das Geheimnis von Graubners Kunst, dass sie den Betrachter trotz des Fehlens fassbarer Formen nicht in die Unbestimmtheit verliert. In ihrer physischen, fast beseelten Präsenz kann sich der Betrachter seiner eigenen Körperhaftigkeit bewusst werden. „Dank der organischen Verdichtung von Farbe, Raum UND Körper ermöglichen Graubners Bilder eine Synthese aus Selbstversenkung und Selbstvergegenwärtigung, aus Kontemplation und Daseinsgewissheit.“ (Uwe Wieczorek)

Im äußerst vielfältigen Werk von Fausto Melotti, der heute besonders für seine filigranen Metallskulpturen bekannt ist, kommt Keramik eine besondere Rolle zu. Als 1941 sein Atelier in Mailand bei einem Bombenangriff zerstört wurde, lieh er sich kurzerhand einen Brennofen und begann eine intensive Beschäftigung mit Keramik, die fast 20 Jahre seine künstlerische Arbeit prägen sollte. Neben Picasso in Frankreich waren es vor allem italienische Künstler, allen voran Melotti und Lucio Fontana, die Keramik als künstlerisches Medium eine kurzzeitige Renaissance verschafften. Für Melotti war bei der Verwendung von Keramik aber auch ihr Potential als gesellschaftlich wirksame Plastik wichtig. Aufrichtig, natürlich und günstig in der Herstellung (wie im Verkauf) eignete sich Keramik besonders, Kunst aus den Galerien heraus in den gesellschaftlichen Raum zu bringen. In diesem Sinne entstanden neben rein künstlerischen Arbeiten zeitgleich auch Gebrauchsobjekte – von Vasen über Schalen bis hin zu Aschenbechern und Lampenfüßen. Neben den meisterhaften Glasurtechniken, mit denen er fantastische Farbverläufe und -effekte erzielte, die unmöglich nur reines Dekor sein können, ist es vor allem die dünnwandige Struktur seiner Keramik, die sonst nur mit Porzellan erreicht werden kann, die Melottis einzigartige Errungenschaft darstellt. Über die Vasen schreibt Jole de Sanna: „Für Melottis Sensibilität, die er der „hohen“ Kunst widmet, hilft diese Entwicklung, ihn vor der Vorstellung des Utilitarismus zu retten. Solche Vasen haben außer ihrer phänomenologischen Funktion zu existieren, keinen weiteren Nutzen. […] Man kann sie anschauen und, während man sie anschaut, denken.“


Melotti und Graubner haben sich nicht persönlich gekannt. Getrennt durch eine Generation, persönlich und künstlerisch ganz unterschiedlich geprägt, haben ihre Positionen zunächst wenig gemein. Während Graubner der Farbe mit seinen Werken einen Körper verleiht, sie dem Betrachter als physisch erfahrbare Realität erfahrbar macht, scheint Melotti an der Auflösung des Körpers mit Hilfe der Farbe zu arbeiten. Die Zartheit des Materials, dessen Form gerade noch von der Glasur gehalten zu werden scheint, wird von ihrer fantastischen Farbigkeit gleichsam diffundiert, in die Idee einer Vase, die Idee einer Schale..


In beiden Fällen öffnet die Farbe dem Betrachter neue Erfahrungs- und Erkenntnisräume. Es sind diese Farbräume, die sich in der Ausstellung so widerspruchslos und unbekümmert überlagern, in denen sich die beiden Positionen begegnen als seien sie schon lange füreinander bestimmt. In diesen Farbräumen erscheinen Körper formlos und die Haut, die weiche Grenze zur Außenwelt, wird durchlässig. Der Moment verdichtet in kontemplativer Schönheit. Farbe. Raum. Körper.


Zur Ausstellung erscheint in Kürze ein Katalog mit einem Text von Dr. David Anfam (Verfasser des Catalogue Raisonné der Gemälde von Mark Rothko).

Künstler

BECK & EGGELING INTERNATIONAL FIANE ART · DÜSSELDORF · VIENNA — INFO@BECK-EGGELING.DE · WWW.BECK-EGGELING.DE

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